Editorial

Liebe Leserinnen und Leser,

mit 66 Jahren etwas Neues anzufangen – seit dem Udo-Jürgens-Schlager von 1977 ist dieser Gedanke zu einem Synonym für reifere Semester geworden, die sich die Fähigkeit zur Veränderung bewahrt haben. Die Österreichische Musikzeitschrift zeigt sich in ihrem 66. Jahrgang in anderem Gewand – ein neues Team hat (relativ kurzfristig) die Redaktion übernommen. Es lag nahe, dessen Mitglieder mit dieser ersten Ausgabe der »neuen« ÖMZ durch eigene Beiträge vorzustellen und Verwandlung zum Thema des Heftes zu machen.

Die musikalischen Transformationen beginnen dabei mit der Oper des 18. Jahrhunderts und ihrer wandelbaren Werkgestalt, die auch von der Wissenschaft einen veränderten Zugang erfordert. Sie gehen weiter zur Frage, ob Richard Strauss tatsächlich eine Metamorphose vom modernen »Löwen« zur konservativen »Maus« durchgemacht habe, und gelangen zu einem Schwerpunkt in der Gegenwart: Hier geht es um die Weiterentwicklung eigener oder fremder Werke in neuer Musik ebenso wie um Veränderungsprozesse im Gattungsgefüge des Musiktheaters.

Die ÖMZ hat es sich stets zur Aufgabe gemacht, fundierte wissenschaftliche Erkenntnisse auf ansprechende Weise zu transportieren. An diesem Ziel halten wir ebenso fest wie an einem weiteren, nicht minder wichtigen Punkt: der Vermittlung zwischen Wissenschaft und dem aktuellen Musikleben. Derzeit sind zentrale Institutionen des Musiklebens in Veränderung begriffen, werden bei mehreren großen Kulturveranstaltern die Weichen neu gestellt – etwa bei den Salzburger Festspielen, in der Wiener Staatsoper oder bei Wien Modern. Diese Prozesse werden wir auch weiterhin kritisch begleiten. Auch auf die Veränderungen in der Wissensgesellschaft reagieren wir rasch und unbürokratisch: in den neuen Rubriken »Das andere Lexikon« (mit Begriffen, die in den üblichen Nachschlagewerken nicht zu finden sind), »Lehren und Lernen« sowie »Neue Musik im Diskurs«.

Marion Diederichs-Lafite und Joachim Diederichs danken wir herzlich für die reibungslose und entgegenkommende Übergabe wie für die Ratschläge zu den Wegen durchs Gestrüpp der täglichen Redaktionsarbeit. Ebenso zu Dank verpflichtet sind wir dem Böhlau Verlag Wien/Köln/Weimar, der mit uns die Herausforderung dieses Neustarts angenommen hat.

Selbstverständlich bleibt die von einem Verein getragene ÖMZ als unabhängiges Projekt auch weiterhin und in existentiellem Ausmaß auf die Unterstützung ihrer Leserinnen und Leser angewiesen. Neben dem unveränderten Abopreis bieten wir daher Förderabonnements an, zu denen wir Sie gerne detailliert informieren. Auch Ihre Rückmeldungen, wie Ihnen das Heft gefällt, sind per E-Mail, persönlich oder telefonisch herzlich willkommen.

Daniel Brandenburg (d.brandenburg(at)removeableoemz.at)
Daniel Ender (d.ender(at)removeableoemz.at)
Frieder Reininghaus (f.reininghaus(at)removeableoemz.at)
Doris Weberberger (d.weberberger(at)removeableoemz.at)