ÖMZ 1/2015: 1815 - Musik zum Siegen und Tanzen

Abstract

ÖMZ 2015/01 CoverLiebe Leserinnen und Leser,

mit Beginn des 70. Jahrgangs hat sich nicht nur das Outfit der ÖMZ wieder einmal – und hoffentlich zum Vorteil – verändert. Unser neuer Partner ist der Hollitzer Verlag in Wien. Er wird die Abonnements- und Buchhandelsbelieferung kontinuierlich fortsetzen (die Daten für Neubestellungen und Rückfragen finden Sie im Impressum S. 2) und dafür sorgen, dass unsere Texte auch als e-book zu lesen sind. »Der Weltkreis ruht, von Ungeheuern trächtig«, schrieb Goethe nach dem Sturz Napoléons, als sich der Wiener Kongress anschickte, Europa neu zu ordnen. Während am großen Horizont Ruhe einkehrte, wurde in der für die Friedens- und Kooperations-verhandlungen auserwählten Stadt die Musik in besonderer Weise laut – zumal dort, wo »sie am sinnlichsten mit dem Leben vermählt ist, im Tanze« (Robert Schumann). Der Kongress, aufwändig in bis dahin nicht gekannter Weise, war ein »europäisches Ereignis, das nicht nur den äußeren, sondern auch den inneren psychischen Zustand Europas wider-spiegelte«. Der 200. Jahrestag gab die Anregung für den Themenschwerpunkt. Denn, so resümiert der in Wien lehrende Historiker Wolfgang Schmale, »bis heute faszinieren die großen Feste, an denen Tausende aktiv oder als Zuschauer teilnahmen. 100.000 Menschen kamen aus Anlass des Kongresses nach Wien.« Um diese Feste geht es im Essay von Otto Brusatti und Isabella Sommer, der entschieden auf das abhebt, was sich »unten« bewegte – im öffentlichen gesellschaftlichen Raum und in Bezug auf die Sinnlichkeit. Elisabeth Hilscher erläutert Zusammenhänge und Spannungsverhältnis von oben und unten im Zuge dessen, was der »allgemeinen Freude« auf den musikalischen Feldern Ausdruck verlieh – von den Volksfesten und den Salons bis zur Musik bei Hofe und in Beethovens Komponierstube. Wien 1815 – das darf als eine auch musikhistorische Markierung verstanden werden, als facettenreicher Auftakt zu einem musikalischen Jahrhundert, das so ziemlich weltweit die Leistungsfähigkeit und den Gedanken-reichtum, die tiefe Fundierung und das hohe technische Niveau, die Intensität und Innigkeit, die nicht ganz unproblematische Majestät und die neben der Gewichtigkeit immer wieder aufblühende Eleganz der österreichisch-deutschen Musik goutierte und anerkannte. Stefan Schmidl kontrapunktiert, indem er eine Linie von 1815 zu 1918 und 1945 zieht. Es schließen sich zwei Studien zur aktuellen Aufarbeitung dessen an, was unmittelbar zuvor unter hybriden (und heute als verwerflich angesehenen) Aspekten auch das Denken und Wirken von Musikforschern bestimmte: Christian Zoidl beleuchtet die Biographie Alfred Orels, Boris von Haken die NS-geprägte Studentenkarriere von Hans Heinrich Eggebrecht, in der Siegeswillen eine zentrale Rolle spielt. Schließlich wird an den 1815 geborenen preußischen Militärkapellmeister J. G. Piefke erinnert, für dessen Leben und Wirken Analoges gilt. › Das Team der ÖMZ