ÖMZ 6: "Regisseurstheater"

Abstract

ÖMZ 6/2013 CoverDie einen sind entschieden dafür, die anderen heftig dagegen – die Mehrheit wartet (un-)entschieden ab und genießt die Unterhaltungswerte. Was man gemeinhin versteht unter dem Begriff, der den Titel dieser ÖMZ-Ausgabe schmückt, war auch nach gründlichen Recherchen nicht in verbindlichen Formulierungen zu bündeln. Wir bewegen uns auf terminologisch schwankendem Boden. »Das Erstaunlichste an diesem Thema ist, dass es überhaupt ein Thema ist: Regietheater oder Regisseurstheater«, schreibt Detlef Brandenburg zur Eröffnung seiner Tour d’Horizon – die Redaktion pflichtet ihm bei. Alle AutorInnen reiben sich an beiden Begriffen. Bezüglich der Sache freilich, die vor ziemlich genau 60 Jahren ins Bewusstsein der kulturinteressierten Öffentlichkeit vordrang – nicht zufällig in einer aufbruchswilligen Nachkriegszeit –, eröffnet der Thementeil dieses Heftes ein breites Spektrum. Es versucht, die immer wieder jäh aufflackernde Debatte auszuloten, zu strukturieren und zu pointieren. Der österreichische Dirigent Michael Gielen, Intendant und Generalmusikdirektor der Frankfurter Oper in den Jahren der nachhaltig wirksamen Produktionen von Hans Neuenfels (West-Berlin) und Ruth Berghaus (Ost-Berlin), erinnert daran, dass gerade diese beiden »doch gerade kein Regietheater machten, sondern ein Musiktheater mit sinnvoller Regie.« Auch Klaus Zehelein, damals Chefdramaturg in Frankfurt, dann Intendant der Stuttgarter Staatsoper in den Jahren ihres Höhenflugs, kommt ausführlich zu Wort. Erna Metdepenninghen begründet ihren punktuellen Unmut über Kapriolen von RegisseureInnnen. Caroline Lodemann ruft Errungenschaften des Aktionskunstderwischs und Wagner-Liebhabers Christoph Schlingensief in Erinnerung (exemplarisch für die vielen vom Film zum Musiktheater gekommenen Regisseure). Holger Noltze kritisiert regietheaterrelevante Debatten des laufenden Geschäftsjahrs, resümiert damit en passant auch die markanten Resultate des Wagner-Gedenkjahrs (herausragende Verdi-Aktivitäten 2013 werden ab S. 93 als Turbulenter Trash und saturierter Stillstand gewürdigt). Den aktuellen Blick in die Werkstatt eines Regisseurs der »Nachrücker-Generation« ermöglicht Florian Lutz. Zwischen diesen Hauptgängen finden sich kurze Schlaglichter auf Pierre Boulez, Herbert Wernicke, Gérard Mortier, den österreichischen Bühnenbildner Gottfried Pilz und deren Bedeutung für die Entwicklung eines modernen Musiktheaters sowie den derzeit in Linz den Ring inszenierenden Uwe Eric Laufenberg.

Da Revolten und konterrevolutionäre Unterdrückung nicht nur auf den Bühnen stattfinden, sondern zunächst (und sehr schmerzhaft) in der Wirklichkeit, schrieb die in Kairo lebende Theatermacherin und Publizistin Dalia Basiouny einen Gastkommentar zur Lage in Ägypten im Herbst.
Das Team der ÖMZ