ÖMZ 2/2014: Revolution der Oper? 300 Jahre Christoph Willibald Gluck

Abstract

ÖMZ 2/2014 CoverObgleich Richard Wagner einmal feststellte, dass „der Deutsche“ nicht „revolutionär“ sondern „reformatorisch“ veranlagt sei, ist Christoph Willibald Gluck je nach Perspektive beides gewesen. Die ältere Musikgeschichtsschreibung stilisierte Gluck im Sinne des Begriffs des „einsamen Leitsterns“ (Richard Wagner) und durch die „nationale Brille“ betrachtet zum Opernreformator schlechthin, eine Meinung, die in jüngerer Zeit und im Lichte neuer Erkenntnisse der Opernforschung zum 18. Jahrhundert verstärkt in Zweifel gezogen wird. Hauptgrund dafür ist, dass es keine direkte „Gluck-Nachfolge“ gegeben hat, die den Begriff der „Reform“ rechtfertigen würde. Dennoch bleibt unbestritten, dass der Komponist in der Betätigung als Regisseur seiner Werke und Verfechter eines gesamtkünstlerischen Ansatzes im Musiktheater revolutionäre Ansätze verfolgte, die in ihrer Modernität über seine Zeit hinauswiesen.