ÖMZ 2/2016: on air - on sale. Musik und Radio

Abstract

ÖMZ 2/2016 CoverLiebe Leserinnen und Leser,

ziemlich bis zur letzten Frequenz ist das Radio von Musik durchdrungen. Da die vielfältigen Ton(meister)künste so selbstverständlich zum ältesten der »neuen Medien« gehören, muten die Fragen womöglich unzeitgemäß an, wie und warum sie dort hinein-, dann groß und breit herauskommen sind. Denn die Macht des Faktischen scheint für sich zu sprechen: Die seit neun Jahrzehnten bewährte Betriebs- und Wirtschaftsgemeinschaft hat dem Rundfunk blühende Klanglandschaften beschert – rund um die Uhr, zunehmend als großer Bazar ausdifferenziert, immer wieder »marktgerecht« austariert und in bunter Vielfalt weithin so anregend wie beglückend. Viele Musiker und diverse Zulieferer (unter ihnen AutorInnen und MusikjournalistInnen) haben von der Existenz des Rundfunks profitiert und genießen dessen öffentliche Wirkung. Ein Dutzend von ihnen macht in diesem Heft deutlich, wie brisant das Thema »Musik und Radio« ist. Die Beobachtungen wie die Bewertungen gehen weit auseinander. Sowohl in Bezug auf die Sortierung bzw. Dosierung von Kulturbeiträgen und Bildungswissen, als insbesondere auch hinsichtlich des Zuschnitts und der Intonationen der Moderationen zur Musik, die die Programme wie Mörtel oder Bauschaum zusammenhalten. Auf fast einhellige Kritik stoßen die fortgesetzt anberaumten »Programmreformen« gerade auch in den Segmenten des öffentlich-rechtlichen »Kulturradios«. In der Regel beschneiden die »neuen Formate« durch angeblich »hörerfreundliche« Vorgaben die Inhalte (die kritischen vornan). Mit leichtem intellektuellem Gepäck lebt und plaudert es sich leichter. Nicht nur Lothar Knessl ist hinsichtlich der »Qualitätsverflachung« in Sorge. Droht der Abverkauf? Hat das »Kulturradio« gegenüber der Musik aus dem Internet überhaupt noch eine längerfristige Chance? Weder in Österreich noch in Deutschland oder Italien erwuchs das Radiowesen in den Zwanzigerjahren als Schule der Demokratie. Es war Wirtschaftsfaktor und zugleich Instrument des »Zeitgeists« mitsamt Steuerungsfunktionen – und es ist all dies auch über den großen Bruch 1945 hinweg geblieben. Wobei die alliierten Sieger den Anstalten mancherlei demokratische Vor- und Rücksichtmaßnahmen mit auf den weiteren Lebensweg gaben. Doch das machte sie (wie andere Großbetriebe) im Inneren nicht demokratisch – selbst in den Jahren nicht, in denen Bruno Kreisky und Willy Brandt für »mehr Demokratie wagen« plädierten. Über das in allen vergleichbaren Institutionen analog praktizierte Seilschaftwesen hinaus blieben die Rundfunkanstalten – dies hat sich auf die Palette der »Musikfarben« ebenso ausgewirkt wie auf deren Einbettung ins gesprochene Wort – in besonderer Weise Einflusszone wirtschaftlicher und parteipolitischer Interessen sowie staatlicher Vorgaben. Dies führt periodisch zu kleineren Unmutsbekundungen bei Teilen der Beleg- und Hörerschaft oder auch zu größerem öffentlichen Ärger. »Die Musik« ist von Anfang an und bis heute das »Spielbein« des Mediums und trägt viel zur Anmut und den Leidenschaften des Mediums bei. Die Hoffnung, dass es in und mit Musik nicht zuletzt auch um die unterschiedlichsten Formen von Freiheit gehen kann, ist unaufhaltsam. Das Team der ÖMZ