ÖMZ 4/2016:Schnitzler, Horváth, Haas

Abstract

ÖMZ 2013/4 CoverLiebe Leserinnen und Leser,
»prima la musica e poi le parole«? Erst die Musik und dann die Worte? Oder doch genau andersherum?
»Entscheidet, entscheidet«, drängt der Komponist Flamand die Gräfin im Capriccio von Richard Strauss, »Musik oder Dichtkunst – wem reicht Ihr den Preis?« Wir können und wollen der Gräfin diese Entscheidung nicht abnehmen – zumal auch die erbitterten Kontrahenten in Strauss’
»Konversationsstück für Musik« am Ende erkennen müssen, dass die Künste gerade in ihrem Zusammenspiel einen ganz besonderen Zauber entfalten.
Hatten Bernhard, Jandl, Jelinek im letzten Jahr den Auftakt zu unserem musikalisch-literarischen Reigen gemacht (ÖMZ 5/2015), sind es nun Schnitzler, Horváth und Haas, die ihn fortsetzen und damit den historischen Rahmen der Fragestellung nach dem Verhältnis der beiden Schwesternkünste Literatur und Musik vom Fin de siècle bis in die Gegenwart erweitern.
Apropos Reigen: Kein anderes Werk Arthur Schnitzlers hat wohl bis heute so viele Komponisten zu Vertonungen angeregt wie das erotische »Skandalstück« (siehe S. 20ff.). Auf der anderen Seite war es die Musik, die den Autor Schnitzler vielfach inspirierte, ja in seinen Augen – oder
besser Ohren – gar die göttlichste unter den Künsten darstellte. Ein Foto auf Seite 7, das uns dankenswerterweise zusammen mit weiteren, zum Teil bislang unveröffentlichten Bildern Schnitzlers von dessen Enkel zur Verfügung gestellt wurde, zeigt den Autor bei einer seiner Lieblingsbeschäftigungen, dem Klavierspiel.
Während das Thema Literatur und Tonkunst bei Schnitzler bereits an verschiedenen Stellen intensiv untersucht worden ist, hat die Ödön von Horváth-Forschung diesen Komplex unseres Wissens nach bislang weitgehend ignoriert. Dies überrascht umso mehr, als die Musik in Horváths Werk eine kaum geringere Rolle spielt, als bei Schnitzler. Erstmals wird hier das Verhältnis der beiden Künste in den Schriften des österreichisch-ungarischen Autors unter verschiedenen Gesichtspunkten beleuchtet. Ein Exkurs führt uns über die österreichische Landesgrenze hinaus nach Deutschland und zum Werk Alfred Döblins, dessen Jahrhundertroman Berlin Alexanderplatz ebenfalls vielfältige Musikbezüge aufweist.
Neuland betreten wir dann auch in unseren Beiträgen zum Stellenwert der Musik in den Texten des Gegenwartsautors Wolf Haas. Wenngleich sehr viel verborgener laufen auch hier musikalische Leitgedanken wie ein roter Faden durch die Handlungen seiner Romane und helfen Kult-Kommissar Simon Brenner nicht selten beim Lösen seiner Fälle. Freunde der Neuen Musik werden beim Namen Haas auch an den inzwischen in New York angelandeten Komponisten Georg Friedrich Haas aus Graz denken. Seinem neuem Opernschaffen ist ein weiterer Beitrag gewidmet.
Soeben ist die aktuelle Konzertsaison zu Ende gegangen – ein Grund, den nationalen und internationalen Musikbetrieb noch einmal intensiv unter die Lupe zu nehmen. Daher entfällt diesmal die Rubrik CD- und Buchrezensionen – sie erscheint wie gewohnt in der nächsten Ausgabe.
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